Unser Darm - Sitz des Lebens

Ein gesunder Darm zerlegt unsere Nahrung in kleinste Bestandteile, die dann über die Darmschleimhaut aufgenommen werden. Unerlässlich hierfür ist ein gesundes Darmmikrobiom (Darmflora), das bei der Verdauung hilft, uns Vitamine zur Verfügung stellt und die empfindliche Darmwand schützt. Gemeinsam bilden der Darm und sein Mikrobiom auch das größte Immunorgan des Körpers.

Unser Darm gilt schon seit Jahrtausenden als Zentrum des Lebens. Um die Zusammenhänge zwischen unserem Darm, seinem Mikrobiom (Darmflora) und unserer Gesundheit besser verstehen zu können, müssen wir zunächst die Funktionsweise eines gesunden Darms betrachten. Den Magen-Darm-Trakt kann man sich wie einen langen „Schlauch“ vorstellen, der sich von der Mundhöhle bis zum After durchzieht. Jeder einzelne Abschnitt übernimmt dabei essentielle Funktionen bei der Verdauung. Mindestens einen Tag lang wandert die aufgenommene Nahrung, bewegt durch die Peristaltik, durch den Verdauungsapparat. Die Oberfläche des Magen-Darm-Trakts ist auch die größte Kontaktfläche unseres Körpers zur „Außenwelt“. Allein die Oberfläche des Dünndarms ist durch Falten und Ausstülpungen so vergrößert, dass sie rund 250m2 erreicht – das entspricht fast schon der Fläche eines Tennisplatzes.   

Unser Darm ist ein belebtes Biotop: Hier leben mehr als 1.000 verschiedene Arten von Mikroorganismen (Bakterien und Pilze), die wir in ihrer Gesamtheit als Darmmikrobiom (Darmflora) bezeichnen. Wichtig für das Verständnis des Mikrobioms ist, dass es sich um keine „Flora“ handelt, die in uns lebt, sondern vielmehr um eine echte Symbiose, ein Zusammenleben zum gegenseitigen Nutzen mit einer Vielzahl an Interaktionen. Das Mikrobiom hilft bei der Verdauung, liefert selbst wichtige Nahrungsbestandteile wie Vitamin K, steuert durch seine Signalfunktion viele Stoffwechselvorgänge im Körper und bildet gemeinsam mit dem Darm unser größtes Immunorgan. Bei all diesen Funktionen arbeiten die menschlichen Zellen eng mit dem Mikrobiom zusammen und es ist leicht vorstellbar, dass eine Störung dieses empfindlichen Gleichgewichts nicht nur zu Darmbeschwerden führt, sondern darüber hinaus viele Körperfunktionen aus der Balance bringen und damit Krankheiten auslösen kann. So wird vermutet, dass die Zunahme von allergischen Erkrankungen möglicherweise auf die Störung und Schwächung des Darm-Mikrobioms durch den unkritischen Einsatz von Antibiotika zurückzuführen ist.  

Ein gesundes Mikrobiom ist die Voraussetzung für eine optimale Darmgesundheit, die wiederum für unser Wohlbefinden unerläßlich ist.

Literatur:

R. Klinke, H.C. Pape, A. Kurtz, S. Silbernagl (Hg.): Physiologie; 2010; Thieme, Stuttgart.
R.F. Schmidt, F. Lang, M. Heckmann (Hg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie; 2010; Springer Berlin.
G. Herold: Innere Medizin; 2013; Herold.