Behandlung mit Probiotika

Heute wird der Begriff "Probiotika" völlig unkritisch für alle Mikroorganismen verwendet, die Lebensmitteln beigefügt oder als Nahrungsergänzungen oder diätetische Lebensmittel angeboten werden. Aber wie gesagt, damit ein Mikroorganismus wirklich als Probiotikum gilt, muss er eine gesundheitsfördernde Wirkung nachweisen können.
Da gibt es zunächst die probiotischen Arzneimittel. Diese haben ihre Wirksamkeit in einem klar definierten Anwendungsgebiet - Indikation - im Rahmen des Zulassungsverfahrens nachgewiesen. Die gesundheitsfördernde oder -erhaltende Wirkung ist sozusagen, wie bei allen Arzneimitteln, amtlich bestätigt.
Anders ist die Lage bei probiotischen Medizinprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln und diätetischen Lebensmitteln. Hier obliegt es der Phantasie des Anbieters, einen Nachweis zu erbringen. Meist erfolgt dieser über Studien, die oft auch als "wissenschaftliche Prüfung" bezeichnet werden. Was diese Studien tatsächlich aussagen, kann meist nur ein Fachmann oder eine Fachfrau beurteilen.

In einer Fortbildung für Ärzte und Apotheker, die von den Fortbildungsreferaten der österreichischen Ärzte- und Apothekerkammer approbiert wurden, findet sich dazu Folgendes:

Folgende Wirkungen gelten als gesichert:

  • Therapie und Vorbeugung von Durchfällen (Diarrhoe): Lactobacillus casei rhamnosus LCR 35 , Enterococcus faecium SF68, Saccharomyces boulardii
  • Therapie des Reizdarmsyndroms: LCR 35, Escherichia coli DSM 17252
  • Colitis ulcerosa und Pouchitis: Escherichia coli Nissle 1917
  • Prävention der nekrotisierenden Enterokolitis (NEC) bei Frühchen und Säuglingen: LCR 35
  • Rezidivprophylaxe nach bakteriellen Vaginosen und Vulvovaginalcandidosen: LCR 35

Wirkungen, die für die Datenlage nicht so eindeutig ist:

  • Vorbeugung infektiöser Erkrankungen des Respirations- und Urogenitaltrakts
  • Atopische Dermatitis
  • Vorbeugung infektiöser Komplikationen nach Operationen
  • Vorbeugung des Reisedurchfalls
  • Vorbeugung des Durchfalls bei einer Helicobacter-pylori-Therapie
     

Praktisch reine Spekulation sind:

  • Vorbeugung und Therapie von Adipositas
  • Vorbeugung von Dickdarmkrebs
  • und etliche andere diskutierte "Wirkungen"

Es zeigt sich, dass es bei einem Probiotikum nur auf den Nachweis der Wirkung ankommt und nicht auf die Zahl der Stämme und Keime, die in einem Präparat enthalten sind! Der vom französischen Pharmaunternehmen BIOSE produzierte Pionierkeim Lactobacillus casei rhamnosus (LCR 35) kann eine geschädigte oder zerstörte Darmflora, bei Frauen auch die Vaginalflora, in ihr natürliches Gleichgewicht bringen. Er wird daher seit Jahrzehnten erfolgreich verwendet als

  • Arzneimittel bei Durchfällen verschiedener Ursachen, vor allem auch nach Behandlung mit Antibiotika. Bitte befragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker!
  • Medizinprodukt Gynophilus zur Wiederherstellung des natürlichen Gleichgewichts der Scheidenflora nach einer Behandlung mit Antibiotika oder Antimykotika (Anti-Pilz-Mittel) sowie zur Vorbeugung von erneuten Infektionen mit Bakterien oder Pilzen.
  • FLOREA FOS aktiv Beutel zur diätetischen Behandlung von funktionellen Darmbeschwerden wie Darmträgheit  und Verstopfung.
  • FLOREA regenerans Kapseln zur diätetischen Behandlung von funktionellen Darmbeschwerden wie Durchfall, Blähungen, Darmgeräuschen, Druck- oder Völlegefühl.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter Videos

Literatur:

  • Austria Codex Fachinformation
  • Bahadori B.: Stellenwert des Mikrobioms für die menschliche Gesundheit; apo punkte 2/2015; MedMedia Verlag Wien